Review: Saint Young Men

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Der hippe Jesus Christus und der schrullige Buddha Shakyamuni machen mitten im modernen Tokyo Urlaub von ihren höheren Pflichten im Himmel. Natürlich sind beide total überfordert mit dem irdischen Alltag und ihr werdet Augenzeuge von urkomischen Episoden ihres Aufenthaltes. Ob sich die Anschaffung lohnt? Das erfahrt ihr hier in meiner ersten Review! 🙂

 

Story

Unsere Protagonisten quälen in ihrer Urlaubszeit ganz alltägliche und ungöttliche Sorgen: Was soll es zum Abendbrot geben? Wie sollen wir die Miete bezahlen? Und vor allem: Was unternehmen wir heute Schönes? Auf Grund ihrer liebenswerten Weltfremdheit und ihrer so unterschiedlichen Charakterzüge kommt es zu einer witzigen Situation nach der anderen. Einen spannenden roten Faden gibt es dabei nicht; wer es lieber actionreich mag, könnte hier nicht auf seine Kosten kommen. Es werden episodenhaft Ereignisse aus dem Alltag der beiden Göttlichen erzählt, eines komischer als das andere. So gehen sie z.B. zusammen in den Vergnügungspark und erleben skurrile Begegnungen mit allzu menschlichen Menschen in der U-Bahn. Dabei merkt man der Story stellenweise ihr Alter von 9 Jahren schon ein bisschen an, weil sie so nahe am Alltag von jedem von uns spielt und die Technik in den letzten Jahren rasant fortgeschritten ist.

 

Charaktere

Jesus ist ein überraschend ulkiger Typ, der auf seinem Blog bekannte Fernsehserien reviewt (und damit eine nicht gerade kleine Fangemeinde um sich schart) und nicht besonders gut mit Geld umgehen kann. Er geht gerne raus und ist unheimlich stolz darauf, von den Mädchen auf der Straße mit Johnny Depp verwechselt zu werden. Buddha hingegen ist ein etwas introvertierter Einzelgänger, der gerne lang ausschläft, den Haushalt schmeißt und Mangas zeichnet. Dennoch passen beide gut zusammen, denn sie haben – wie könnte es anders sein – ein unglaublich großes Herz, kümmern sich um ihre Mitmenschen und wirken im großen, modernen Japan ein bisschen wie kleine Jungs, die sich nicht so recht zu orientieren wissen.

Ein besonderer Sidekick zur Story sind die heiligen Eigenschaften der beiden Protagonisten: So fängt Buddhas Kopf beispielsweise an zu leuchten, wenn er eine kluge Eingebung hat und Jesus‘ Wunden unter dem Rosenkranz auf seinem Kopf beginnen zu bluten, wenn er traurig ist. Das darf natürlich keiner mitkriegen, da sonst ihre Tarnung auffliegt – die Grundlage für unzählige komische Lacher! Das macht auch den fehlenden Spannungsbogen wieder wett.

 

Zeichenstil

Die Linienführung ist sehr klar und kantig; manchmal kommt es mir so vor, als steche Buddha mit seinem runden Gesicht neben Jesus ganz besonders hervor, weil Letzterer ganz besonders zackig aussieht. Die Panels sind nicht überfüllt und es werden viele interessante Blickwinkel abgebildet. Ich persönlich stehe sonst eher auf knuddelige Figuren mit großen Augen und wuscheligen Frisuren, aber mit diesem sehr realistischen Stil konnte ich mich schnell anfreunden.

 

Die deutsche Ausgabe…

… erscheint seit November 2014 bei Egmont Manga und ist meiner Meinung nach wirklich hochwertig. Zwar sind die Taschenbücher nicht viel dicker als normale Mangas, schlagen aber dennoch mit dem beinahe doppelten Preis zu Buche, da immer 2 Ausgaben zu einer zusammen gefasst wurden. Dafür ist die Ausstattung allerdings auch sehr gut: So gibt es z.B. vorne und hinten jeweils eine Klappseite mit farbigen Illustrationen. Was mir besonders gefällt sind die vielen Erklärungen, auf die jeweils mit einem Sternchen verwiesen wird, wenn von traditionellen japanischen Riten, Göttern, Süßigkeiten oder Kleidungsstücken die Rede ist, von denen auch der härteste Otaku vermutlich noch nichts gehört hat. Auch auf besondere religiöse Bezüge wird nochmal erklärend hingewiesen – sowohl in der buddhistischen, als auch in der christlichen Lehre. Man kann also, egal welcher Religion man angehört oder nicht, jederzeit in diesen Manga schnuppern und lernt sogar noch was dabei. Leider finde ich jedoch die Seiten mit viel Text etwas klein geraten. Band 6 erscheint am 1.7.2016.

 

Fazit

Alles in allem ist dies ein Manga, bei dem einem des öfteren ganz doll warm ums Herz wird, weil er einfach trotz des etwas abgespaceten Settings und dem komödiantischen Anspruch unglaublich einfühlsam und realistisch bleibt. Schon am Ende der ersten Seite musste ich schmunzeln. Man muss keine Angst haben, dass religiöse Gefühle verletzt werden könnten – Hikaru Nakamura geht sehr sorgsam und vorsichtig mit dem Thema Religion um und geht nie unter die Gürtellinie. Und wenn man mal nicht viel Zeit zum lesen hat, schafft man hier trotzdem locker eine der kleinen Episoden zu lesen und muss sich nicht erst in eine kompliziere Story einarbeiten.

 

Bewertung

Von mir kriegt der Manga 8 Punkte. Die episodenhafte Erzählweise ist zwar sehr schön ausgeführt, aber ein bisschen mehr Spannung könnte es schon sein.

P.S.: Die Story ist als Anime-Film und OVA unter dem Titel „Saint Oniisan“ sehr nahe am Original und liebevoll adaptiert worden. Wem der Manga gefällt, der sollte auch hier einen Blick riskieren! 😉

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